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Wie sehen agile Produkt Roadmaps aus?

Produkt Roadmaps sind strategische Planungstools. Das passt auf den ersten Blick nicht zur agilen Welt. Doch selbst im agilen Umfeld braucht man eine strategische Ausrichtung. Daher wurden Produkt Roadmaps auf eine dynamische und unsichere Umwelt angepasst. Es entstanden neue Arten von Roadmaps, die flexibel und agil ausgelegt sind.

In diesem Artikel beschreibe ich wie agile Produkt Roadmaps aussehen und welche Charakteristiken die einzelnen agilen Roadmap-Arten haben.

Abgrenzung: In diesem Artikel geht es nur um Produkt Roadmaps. Andere Roadmap-Arten wie die IT-Roadmap oder Technologieroadmap.

Eingrenzung: Die Infos des Artikels sind grundsätzlich auf digitale und physische Produkte anwendbar.

Inhalt des Artikels:

Was sind agile Produkt Roadmaps?

Produkt Roadmaps sind Planungswerkzeuge, die den Weg hin zu einer Produktvision beschreiben. Klassischerweise wird dieser Weg mit Hilfe von Features oder Produktmerkmalen beschrieben, die im Laufe der Zeit realisiert werden sollen.

Eine agile Produkt Roadmap beschreibt ebenfalls den Weg hin zu einer Produktvision. Dabei bleibt sie allerdings flexibel und offen für verschiedene Lösungen. So kann sie sich besser der dynamischen Umwelt anpassen.

Elemente auf agilen Produkt Roadmaps

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Elemente die auf oder um einer Produkt Roadmap sind.

Element Kurzerklärung Element in agilen Roadmaps
Unternehmensvision Eine Vision ist das übergeordnete Ziel für alle Anstrengungen, die unternommen werden.

Unternehmensvisionen können unterschiedlich formuliert werden: Zum Beispiel als Problem, das ein Unternehmen lösen möchte oder als Veränderung, das es herbeiführen möchte.

Eine gut formulierte und akzeptierte Unternehmensvision leitet die Produktvision.

Das hat folgenden Zweck: Agile Roadmaps werden meist sehr offen und flexibel in Ihrer Umsetzung gehalten. Die Vision – also die grobe Richtung – sollte aber definiert sein, um Grundsatzdiskussionen und Streuverluste möglichst zu vermeiden.

Produktvision Eine Produktvision erklärt, wofür das Produkt existiert. Die Produktvision kann entweder als Ziel definiert sein oder einfach nur den groben Zweck des Produkts wiedergeben. In der agilen Roadmap agiert die Produktvision als Fels in der Brandung. Sie wird selten geändert und gibt den anderen Roadmap-Elementen eine Richtung vor.

Diese Richtung ist im dynamischen Umfeld sehr wertvoll, da durch häufige Anpassungen die Gefahr besteht, am Ende nichts richtig zu machen.

Themes Themes sind Cluster, die zusammengehörige Goals oder Features zusammenfassen.

Beispiel: Checkout des Onlineshops

In agilen Roadmaps werden Themes verwendet, um vor allem längerfristige Planungen grober darzustellen. Denn man weiß oft nur zu gut, wie unzuverlässig detaillierte Planungen sind – vor allem langfristig.
Goals oder Outcomes oder Probleme Diese Elemente geben an, was gelöst oder erreicht werden soll. Die Goals werden oft aus Kundensicht definiert. Sie können aber auch aus Unternehmenssicht sein.

Beispiele:
– Goal: Nutzer benötigen 50% weniger Zeit für die Registrierung
– Problem: Nutzer verstehen das Features XY nicht

Durch die Goals usw. kann im Agilen vorausgeplant werden, ohne zu detailliert auf Feature-Ebene zu gelangen.
Features und Stories (Output) Outputs, Features und Stories gehen schon stärker ins Detail. Sie geben schon genau an, wie ein Produkt umgesetzt sein soll.

Beispiele:
– Sofort-Kaufen-Button implementieren
– Rechnungsarchiv implementieren, das die Rechnungen als PDFs anzeigt

Outputs, Features und Stories sind für agile Roadmaps kontraproduktiv, da sie zu detailliert sind und den Handlungsspielraum stark einschränken.

Deshalb findet man sie eher im Product Backlog, auf klassischen Projektplänen oder klassischen Rodamaps.

In folgender Graphik sehen Sie nochmal in der Übersicht, welche Elemente…

  • eher nicht auf agilen Roadmaps zu finden sind.
  • auf agilen Roadmaps zu finden sind.
  • an agile Roadmaps angeknüpft sind.

Elemente auf agilen Produkt Roadmaps

Timelines auf agilen Roadmaps

Ein weiteres zentrales Element auf Roadmaps jeder Art ist die Timeline – ein Zeitstrahl, meist über 1-5 Jahre.

Im agilen Roadmapping ist die Timeline oft ein Knackpunkt. Manche empfehlen eine datierte Timeline. Andere empfehlen eine undatierte Timeline. Wir hören uns die Argumente beider Seiten an:

Nachteile von Timelines auf agilen Produkt Roadmaps Anwendungsfälle von Timelines auf agilen Roadmaps
Commitment zu Timelines wird zu stark

Risiko: Der Fokus driftet von Kundenproblemen lösen auf Roadmap-Termine einhalten.

Hilfreich, wenn ein zeitlicher Rahmen bedeutend ist für das Produkt.

Beispiele:
– saisonale Produkte (z.B. ein neues FIFA-Spiel für die PlayStation)
– Produkte, die an wichtige terminierte Ereignisse hängen (z.B. eine App für den Ticketverkauf der Olympia)
– Gesetzesänderung (z.B. DSGVO, Brexit, …)

Unrealistische Erwartungen werden gefördert

Das bringt gleich mehrere Risiken mit sich: schlechtes Arbeitsumfeld, unzufriedene Kunden, schlechte Produktqualität.

Das Management erwartet zeitliche Einschätzungen

Das kann natürlich der Fall sein. Allerdings möchte ich das – zumindest aus Produktsicht – nicht empfehlen.

Verlust von Flexibilität

Quelle: Bogazköy, Eißler, Münch, Roling, Schneider, Trieflinger: Product Roadmap Formats for an Uncertain Future: A Grey Literature Review

Agilere Alternative zu Timelines: Now-Next-Later Roadmaps. Dazu unten mehr.

“Klassische” Produkt Roadmaps

Die klassische Roadmap (auch oft Feature-driven- oder Feature-based-Roadmaps genannt) bestehen hauptsächlich aus zwei Teilen: Features und datierte Timelines. Die Features werden dabei einfach in einem Zeithorizont eingeordnet, indem sie umgesetzt werden sollen.

Das sieht dann typischerweise so aus:

features in einer klassischen produkt roadmap

Anwendung: Feature-driven-Roadmaps bieten sich bei stabilen Produkten in stabilen Märkten an. Im dynamischen Umfeld rate ich eher davon ab. Da Features oft abhängig voneinander sind, ist es schwer Feature-based Roadmaps laufend anzupassen. Dazu muss man sagen, dass immer mehr stabile Märkte zu dynamischen Märkten werden (Stichwort oder auch Buzzword: digitale Disruption).

Nachteile zu agilen Roadmaps:

  • Nicht mit der Vision verknüpft
  • Wenig strategische Ausrichtung (daher besonders wichtig, dass die strategische Ausrichtung des Unternehmens klar ist. Sonst wird häufig über die Richtung diskutiert und Produkte enden oft inkosistent – zumindest aus strategischer Sicht.)

Agile Produkt Roadmaps

Aus den klassischen Roadmaps haben sich mehrere agile Arten an Produkt Roadmaps heraus entwickelt.

Ich möchte in diesem Artikel vor allem auf vier dieser Roadmaps eingehen:

  • Goal Oriented Product Roadmap
  • Outcome driven Product Roadmap
  • Theme based Roadmap
  • Now-Next-Later-Roadmap

Diese vier Roadmaps geben einen guten Einblick darüber, was manche Roadmap-Arten agil macht. In Anlehnung daran, können Sie Ihre eigene Roadmap erstellen oder Ihre Roadmap anpassen.

Durchgehendes Beispiel: Um die Roadmaps zu verdeutlichen, habe ich ein fiktives Beispiel gewählt: Ein Unternehmen, das eine cloud-basierte Lösung anbietet, um für Onlineshop-Betreiber relevante Daten auszuwerten und darzustellen.

Goal Oriented Roadmap

Den Begriff der Goal Oriented Roadmap (GO Roadmap) wurde hauptsächlich von Roman Pichler geprägt. Nach Pichler sieht die Roadmap in etwa so aus:

goal oriented roadmap nach Pichler

Merkmale:

  • Ein Roadmap-Element ist eine Kombination aus Goals, Features und Metriken
  • Hat eine datierte Timeline

Vorteile dieser Roadmap:

Man findet zwar noch Features auf der Roadmap, aber diese sind an Ziele gebunden. Dadurch entsteht zum einen Konsistenz und zum anderen verschwinden die Features allesamt, falls ein anderes Ziel priorisiert wird.
Außerdem unterstützen Metriken dabei, festzustellen, wann ein Ziel erreicht wird.

Outcome Driven Roadmap

Die Outcome Driven Roadmap gibt es – wie fast alle anderen Roadmaps – in verschiedenen Ausführungen. Ich möchte aber besonders folgendes Layout hervorheben:

bei outcome driven roadmaps liegt der fokus auf die auswirkungen und nicht auf die features

Auf den Ersten Blick ist die Roadmap ähnlich zur Goal Oriented Roadmap. Allerdings konzentriert sie sich nach den Goals eher auf Outcomes. Das sind vor allem Probleme, die gelöst werden (sollen). Dabei bleibt zunächst offen, wie (mit welchen Features) die Probleme gelöst werden sollen.

Vorteile dieser Roadmap:

  • Konsistenz: Dadurch, dass Goals von der Vision und Outcomes von den Goals abgeleitet werden.
  • Starke Ausrichtung auf Outcomes, statt auf Outputs

Theme Based Roadmap

Auch bei diesem Roadmap-Typ gibt es wieder mehrere Möglichkeiten. Ich möchte aber folgende Theme Based Roadmap hervorheben:

theme based roadmaps clustern features und outcomes zu übergeordneten themes

Deren Kernmerkmale sind:

  • Die Roadmap konzentriert sich auf Themes.
  • Für die nähere Zukunft werden die Themes mit Hilfe von Features genauer definiert. Häufig wird das aber auch komplett der Produkt-Backlog-Ebene überlassen.
  • Weiter entfernte Themes werden nicht genauer beschrieben.

Now-Next-Later-Roadmap

Eine Now-Next-Later-Roadmap ist ziemlich simple Roadmap-Form: Die Roadmap wird in drei Zeit-Rechnungen unterteilt und kurzfristig detaillierter geplannt, statt langfristig. Das sieht dann in etwa so aus:

die nnl roadmap teilt die timelinie in drei zeiten ein

Dadurch vermeidet man die typischen Probleme, die man durch datierte Timelines hat. Allerdings macht die NNL-Roadmap nicht immer Sinn (z.B. wenn das Produkt starke zeitliche oder saisonale Abhängigkeiten hat).

Fazit

Roadmaps haben es geschafft sich der dynamischen Welt anzupassen. Dadurch haben Roadmaps bewiesen, dass längerfristige Planung auch zu einem gewissen Grad im agilen Umfeld Sinn ergeben.

Wenn Sie Ihre Roadmap anpassen möchten und merken, dass für Sie eine Roadmap von der Stange nicht ganz passt, können Sie Ihre Roadmap auch anpassen.

Gerne können Sie hierfür folgende Techniken aus agilen Roadmaps abschauen, um Ihre Roadmap agiler zu gestalten:

  • Weniger Detail in der langfristigen Planung und mehr Offenheit für verschiedene Lösungen
  • Weniger Detail in Timelines
  • Fokus auf Vision, Zielen und Kundenproblemen
  • Verknüpfung an die Vision
  • Verknüpfung an Metriken

Bei Fragen zum Thema oder Artikel können Sie mich gerne kontaktieren.

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