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Geschichte der Agilität

Der Ursprung und die Entstehung der Agilität werden in der Literatur auf unterschiedliche Ereignisse zurückgeführt bzw. in unterschiedliche Phasen unterteilt. Aus verschiedenen Büchern lässt sich daraus ein Zeitstrahl der Entstehung zusammenfassen. Es ist letztlich nicht vollständig zu klären, welches Ereignis der Ursprung ist bzw. welches Ereignis das bedeutendste ist.

Die wichtigsten Meilensteine in der Entstehung der Agilität

Geschichte der Agilität

1943 Entwicklung des Kampfjets P80 – Das erste bekannte Projekt mit einer agilen Vorgehensweise

Kelly Johnson – ein Konstrukteur des amerikanischen Rüstungsunternehmens Lockheed Martin – erhält den scheinbar unmöglichen Auftrag einen neuen Kampfjet innerhalb von 180 Tagen zu entwickeln. Johnson ließ dafür alle notwendigen Ingenieure selbstorganisiert in einem Zelt zusammenarbeiten und brachte diese in Kontakt mit den Nutzern der Kampfjets. Bürokratische Störungen wurden bei der Entwicklung vermieden. Das Ergebnis: Der P80 wurde nach 143 Tagen fertiggestellt. Gloger und Margetich führen den Ursprung der Agilität auf dieses Ereignis zurück (vgl. Gloger, B./ Margetich, J. 2014: S. 5).

1951 Talcott Parsons – The Social Systems

Das Buch von Parsons (vgl. Parsons, T. 1951) beinhaltet bereits wesentliche Themen einer agilen Organisation, wie die Anpassung an die Umwelt, das Überleben und Sterben von Unternehmen sowie die Integration verschiedener Interessensgruppen. Dabei kam Parsons unter anderem zu der Erkenntnis, dass die Anpassungsfähigkeit eine essenzielle Eigenschaft einer Organisation ist (vgl. Häusling, A. 2018: S. 30).

1950er Incremental Iterative Development (IID) wird in großen Unternehmen eingesetzt

Die NASA und IBM sind die ersten großen Unternehmen, die iterative und inkrementelle Vorgehensweisen anwenden (vgl. Gloger, B./ Margetich, J. 2014: S. 5; vgl. Larman, C./ Basili, V. 2003: S. 47-56; vgl. Scheller, T. 2017: S 44-45). Die Merkmale des IID – iterative Teamarbeit, anschließende Reviewphasen und Änderungsnotwendigkeiten bestimmen – weisen eine große Ähnlichkeit zu Scrum auf.

1978 – 1990 Organisationales Lernen

Chris Argyris und Donald Schön veröffentlichten 1978 das Buch „Organizational Learning“ (vgl. Argyris, C./ Schön, D. A. 1978). Dieses Buch war über die Forschung hinaus wenig bekannt (vgl. Scheller, T. 2017: S. 45). Allerdings diente es als Basis für das 1990 erschienene Buch „The Fifth Discipline – The Art and Practice of the Learning Organizations“ von Peter M. Senge. Diese Bücher setzten erste wichtige Meilensteine in der Forschung zum organisationalen Lernen. Im Hinblick auf die Agilität ist das wichtig daher die Merkmale der lernenden Organisation (vgl. Vahs, D. 2015: S. 436) von agilen Organisationen umgesetzt werden müssen. Agile Vorgehensweise wenden organisationales Lernen auf der Teamebene an (vgl. Scheller, T. 2017: S. 45).

1990er Agilität gerät stärker in den Fokus von Forschungsaktivitäten

Ab den frühen 1990er Jahren sind zahlreiche Forschungen zum Thema Agilität erschienen (vgl. Häusling, A. 2018: S. 30). Förster und Wendler führen dies auf den 1991 erschienen Bericht des Iacocca Instituts der Lehig University zurück (vgl. Förster, K./ Wendler, R. 2012: S. 1). Der Bericht namens „21st Century Manufacturing Enterprise Strategy“ wurde von Nagel und Dove verfasst. Darin gingen die Autoren intensiv auf die Unternehmensvision und die Agilität ein (Nagel, R. N./ Dove, R. 1991). Nach der Veröffentlichung löste diese Arbeit weitere Forschungsaktivitäten aus. Erforscht wurden z.B. multi–funktionale Teams und schnelle Produktentwicklungen (vgl. Häusling, A. 2018: S. 30).

2001 Agiles Manifest

Einer der wichtigsten Meilensteine der Agilität wurde im Februar 2001 in Utah gelegt. Als 17 Softwareentwickler zusammenkamen um die Methoden der Softwareentwicklung zu besprechen, entstand das agile Manifest. Das agile Manifest beschreibt die Werte und Prinzipien der agilen Softwareentwicklung (vgl. Beck, K. et al. 2001a). In der Literatur herrscht Einigkeit über die große Bedeutung dieses Ereignisses für die Agilität (beispielsweise: vgl. Gloger, B./ Margetich, J. 2014: S. 6; vgl. Hruschka, P. et al. 2009: S. 2; vgl. Scheller, T. 2017: S. 43). So nennt Nowotny das agile Manifest den »agilen Urknall« (Nowotny, V. 2016: S. 24).

Letzte Jahre

In den letzten Jahren sind die Veröffentlichungen zum Thema agile Managementkonzepte stark gestiegen. Agile Methoden finden mehr und mehr Anwender. Und auch die Anzahl der agilen Methoden steigt stetig. Für nähere Informationen zum aktuellen Stand der Agilität empfiehlt sich der jährliche Bericht von Versionone – State of Agile. Darin sind viele interessante Statistiken aus der Praxis enthalten.

Quellen

Argyris, C./ Schön, D. A. 1978: Organizational learning, Addison-Wesley Publishing Company Reading, Massachusetts 1978.
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Beck, K. et al. 2001a: Agile Manifesto, unter: http://agilemanifesto.org/, Abrufdatum: 15.06.2018.

Förster, K./ Wendler, R. 2012: Theorien und Konzepte zu Agilität in Organisationen, Techn. Univ., Fak. Wirtschaftswiss Dresden 2012.
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Gloger, B./ Margetich, J. 2014: Das Scrum-Prinzip, 1. Aufl., Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH Stuttgart 2014.
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Häusling, A. 2018: Agile Organisationen, 1. Auflage, Haufe Gruppe Freiburg, München, Stuttgart 2018.
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Larman, C./ Basili, V. 2003: Iterative and Incremental Development: A Brief History, in: IEEE Computer 2003, Volume 36, Issue 6. S. 47–56. Nagel, R. N./ Dove, R. 1991: 21st Century Manufacturing Enterprise 1991.
PDF Link (extern)

Nowotny, V. 2016: Agile Unternehmen, 1. Auflage 2016.
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Parsons, T. 1951: The Social Systems, Free Press [u.a.] New York NY 1951.
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Scheller, T. 2017: Auf dem Weg zur agilen Organisation, 1. Auflage, Vahlen München 2017.
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Vahs, D. 2015: Organisation, 9., überarb. und erw. Aufl., Schäffer-Poeschel Stuttgart 2015.
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